Rhein-Erft-Kreis (ja). Die 35-jährige begeisterte
Technoanhängerin Petra R. aus Sindorf machte sich am Samstag
um 13 Uhr mit Freunden und Ehemann auf den Weg nach Duisburg.
Bereits zum zehnten Mal besuchte sie eine Love-Parade und die
Vorfreude war groß. "Vor dem Tunnel waren wir um 14.30
Uhr", erinnert sie sich. Dort wurden die Taschen kontrolliert
und dadurch kam es zu einem kleinen Stau. Aber im Tunnel selbst war
sehr viel Platz, es waren höchstens 100 Menschen drin. Wir
gelangten zügig auf das Gelände und suchten uns eine
Stelle zum Tanzen. Was uns wunderte, waren die vielen Zäune
und Absperrungen. Es war nicht möglich, nach rechts oder links
zu gelangen", erzählt sie.
Schließlich fanden die Freunde einen Platz neben einem roten
Container, der, wie sie später anhand der Fernsehbilder
feststellen mussten, nur wenige Meter vom Unglücksort enfernt
war. Dort tanzten viele Leute und wussten die ganze Zeit nicht,
dass unter ihnen 19 Menschen starben. "Ich hörte sehr
viele Hubschrauber und Sirenen aber ich dachte, das sei wegen der
üblichen Probleme bei solchen Veranstaltungen. Von einem
Unglück ahnte niemand etwas."
Als eine Freundin um 18.30 Uhr über Kopfschmerzen
klagte, beschlossen die Partygäste, das Fest zu verlassen.
"Vor dem Tunnel standen sehr viele Polizisten und wir konnten
da nicht mehr durch", berichtet Petra R. "Wir fragten
einen Polizisten, wie wir das Gelände verlassen könnten
und er sagte, wir sollten die Notausgänge nutzen. Wir
brauchten zwei Stunden, um einen Notausgang zu finden und fragten
immer wieder nach. Das kam uns aber nicht merkwürdig vor und
niemand war beunruhigt."
Dann erreichten sie wieder die Stelle, an der vor Stunden ihre
Taschen kontrolliert worden waren. "Alles war gesperrt, wir
sind einfach immer weiter gelaufen, bis wir unser Auto erreichten.
Plötzlich klingelte mein Handy und ich bekam sehr viele
Kurzmitteilungen auf einmal", erinnert sich Petra R. Es waren
Freunde, die wissen wollten, ob es ihr gut ginge. Einen Tag
später ist die Mutter zweier Kinder fassungslos angesichts der
Katastrophe, der sie entgangen ist. "Es bleibt ein schlimmes
Gefühl. Wir haben eine schöne Party erlebt und andere
haben dort ihr Leben gelassen", sagt sie bedrückt.
In einer Gruppe von Freunden feiern, tanzen und auf der Love-Parade
Spaß haben, das wollte auch der 21-jährige Patrick
Schmickler aus Brauweiler. Doch dazu sollte es an jenem
verhängnisvollen Nachmittag nicht kommen. Während ein
Teil der Gruppe auf das Gelände lief, gingen der junge Mann
und ein befreundetes Pärchen zunächst etwas essen. Dann
versuchten sie, in den Tunnel zu kommen. "Es strömten
sehr viele Menschen in den Tunnel. Im Bereich vor dem Tunnel waren
höchstens zwölf Polizisten, die alle relativ untätig
dort standen. Sie ließen die Menschen immer weiter
gehen", berichtet er.
"Wir stolperten über Müll, aber Angst vor der
Menschenmasse oder Bedenken, den Tunnel zu betreten, hatten wir
nicht. Im Tunnel wurde gesungen, mit Trillerpfeifen gepfiffen und
auch geschrien. Die Musik von der Veranstaltung war ebenfalls zu
hören." Dass einige Menschen aus Angst geschrien haben,
hat draußen kaum jemand geahnt. "Es gab aber schon Leute,
die in Panik versuchten, wieder zurück zu kommen",
erzählt er weiter.
Schließlich wurden die Menschen vor dem Tunnel via
Megaphon-Durchsage dazu aufgefordert, wieder nach Hause zu gehen.
Das muss gegen 16 Uhr gewesen sein, vermutet Patrick Schmickler
später. Sein Zeitgefühl hat er im dichten Gedränge
verloren. "Ob ich da eine oder zwei Stunden stand, weiß
ich nicht mehr", sagt er.
Was eigentlich los ist, wusste niemand. Um zu ihrem Auto zu
gelangen, mussten die drei Freunde mit der U-Bahn fahren. Dort
klingelte sein Handy und sein Cousin erkundigte sich nach seinem
Befinden. Erst dann erfuhr er, was sich ereignet hatte. Die
anfängliche Enttäuschung über die verpasste Party
wich einer großen Erleichterung. Eine Love-Parade würde
Patrick Schmickler nicht mehr besuchen. Es wird auch keine mehr
geben, soviel steht fest.


