Es klingt fast wie ein Schildbürgerstreich: An vielen
Autobahn-Baustellen ist die linke Spur wegen der Enge auf eine
Fahrzeugbreite von zwei Meter begrenzt. Das Schild auf der
Hinweistafel vor der Baustelle hat sicher jeder schon einmal
gesehen. Zwei Meter, so breit ist ja wohl kaum ein PKW. Doch die
Polizei ist in jüngster Zeit darauf gekommen, dass viele
moderne PKW selbst in der Dimension der Golf-Klasse in der Breite
um einige Zentimeter über dem erlaubten Maß für die
engen Baustellengassen liegen.
Wie das kommt? Nun, die Verkehrsvorschrift geht von der
Gesamtbreite des Fahrzeugs aus. Also Fahrzeugbreite plus
Außenspiegel. Da viele moderne Fahrzeuge im Laufe der letzten
Jahre deutlich breiter geworden sind, übertreffen sie nun mit
den teilweise sehr ausladenden Außenspiegeln die Gesamtbreite
von zwei Metern mehr oder weniger deutlich.
Der Schildbürgerstreich besteht darin, dass die
Fahrbahnbreite an Baustellen schon seit vielen Jahren auf
maximal zwei Meter ausgelegt wird. Und das, obwohl die meisten
Fahrzeuge inzwischen deutlich breiter wurden. Auch deshalb, weil
der Gesetzgeber Seiten-Airbags und verstärkte Seitenflanken
für eine bessere Sicherheit fordert. Und diese Technik muss ja
irgendwo untergebracht werden. Auch der zweite Außenspiegel,
der vor vielen Jahren Pflicht wurde, hat die effektive
Fahrzeugbreite erhöht.
Doch statt die Fahrbahnbreite an den Baustellen an die breiteren
Fahrzeuge anzupassen, verlegt sich die Polizei lieber auf das
Abkassieren von ahnungslosen Autofahrern. Denn viele sind sich der
effektiven Breite ihres Gefährts nicht bewusst. Ein Blick in
den Fahrzeugschein oder die Zulassungspapiere zeigt unter
Ziffer 19 die Fahrzeugbreite an. Doch dieser
amtlich verordnete Wert informiert - und das ist der eigentliche
Schildbürgerstreich - über die Fahrzeugbreite ohne
Außenspiegel.
In Nordrhein-Westfalen haben die Verantwortlichen ein Einsehen und ändern die Fahrzeugspuren an Autobahnbaustellen und die entsprechenden Schilder auf 2,10 Meter Breite. Immerhin bleiben dort die Modelle der Kompaktklasse (Golf &Co), der Mittelklasse (etwa BMW 3er) und sogar die obere Mittelklasse (wie etwa die Mercedes E-Klasse) mit einer Fahrzeugbreite von etwa 2,02 bis 2,07 Meter bußgeldfrei.
Probleme selbst bei 2,10 Metern Breite bekommen aber die meisten
SUV und Geländewagen. Audi Q7, BMW X5, der Mercedes ML oder
der VW Touareg sind mit Spiegeln bis zu 2,20 Meter breit. Und sind
wegen ihrer markanten Erscheinung von den Polizisten mit der Kamera
gut als zu breite Verkehrssünder auszumachen.
Mein Tipp: In vielen Betriebsanleitungen findet man neben der Basis-Breite auch die Angabe über das Maß inklusive der Außenspiegel. Wer sicher gehen will, sollte einfach mal einen Zollstock durch die geöffneten Fenster halten und so die effektive Breite feststellen.
Noch ein Tipp: Wenn die Fahrzeugbreite im
Fahrzeugschein plus 20 Zentimeter über zwei Meter
hinausgeht, dann sollte man in Baustellenspuren mit
maximal zwei Metern vorsichtig sein. Denn die
großformatigen Außenspiegel sind zusammengerechnet je
nach Modell zwischen 22 und 28 Zentimeter breit.
Noch besser: Einfach die oft kurzen Baustellen in der rechten LKW-Spur durchfahren. Eingeengt zwischen Brummis und den Betonabgrenzungen auf der linken Seite fühlen sich selbst routinierte Fahrer nicht besonders wohl.




